Die im vorherigen Abschnitt beschriebene Transformation lässt sich auch zum blattschnittfreien Import mehrerer "`Scans"' verwenden. Nur in seltenen Fällen ist der Zugang zu einem Trommelscanner möglich, normale Karten sind hingegen für handelsübliche Scanner zu groß.
Eine brauchbare Lösungsmöglichkeit besteht im Scannen der Karte in mehreren Teilen. Diese
Lösung erfordert zwar etwas Aufwand, erspart aber den Kauf eines teuren Scanners. Dabei
ist ganz wichtig, mit "`Überlappung"' zu scannen, um die Eckkoordinaten besser festlegen
zu können.
Wie oben bereits beschrieben muss eine Ziel-location im Gauß-Krüger-System erzeugt werden, die das Gesamtgebiet mit Koordinaten etc. umfasst. Die Auflösung sollte ausreichend hoch sein, damit kleine Kartensignaturen noch lesbar sind.
Anschließend werden alle gescannten Rohkarten in die xy-location importiert. Beachten Sie, dass die Größe der größten vorkommenden Rohkarte entsprechen muss.
Nun erzeugen Sie in der xy-location für jede Rohkarte eine Bildgruppe (auch wenn nur jeweils eine Karte darin ist) und setzen für alle Bildgruppen das Trans"-formations"-ziel auf die Gauß-Krüger-location (Module $ i.group und $ i.target). Den folgenden Prozess durchlaufen Sie nun für jede Karte:
Den vier Eckpunkten der zu transformierenden Rohkarte weisen Sie Gauß-Krüger-Koor"-dinaten zu ($ i.points, vgl. vorheriger Abschnitt). Diese Punkte müssen unbedingt eine rechtwinklige Fläche umschließen, da der Ausschnitt mit der Affintransformation nur gedreht und gestreckt bzw. gestaucht werden kann. Mit $ i.rectify (als Polynom 1. Grades) wird die jeweilige Rohkarte in das Gauß-Krüger-System transformiert.
Anschließend geht es mit der nächsten Rohkarte in der xy-location entsprechend weiter.
Sind alle gewünschten gescannten Karten transformiert, können Sie das Ergebnis im Gauß-Krüger-Projektgebiet (location) überprüfen (dazu xy-location verlassen). GRASS wird neu gestartet und der Name des Gauß-Krüger-Projektgebiets angegeben. Nun sollten Sie die Einzelkartenteile auf Lagegenauigkeit überprüfen: Zunächst wird ein GRASS-Monitor ge"-öffnet und die Region erst einmal auf das Maximum (Defaultwert) eingestellt:
$ g.region -d
Danach ist unbedingt $ d.erase aufzurufen, um die Grafikausgabe von der
Koordinatenänderung in Kenntnis zu setzen. Mit dem Aufruf von $ d.rast ohne
Parameter erhält man nach Angabe der darzustellenden Datei die Möglichkeit, die
Rasterbilder im GRASS-Monitor zu überlagern (Overlay-Modus: "`yes"' oder Parameter
"`-o"'). So wird jede Datei nacheinander ausgegeben, und die Karten sollten nebeneinander
liegen. Mit $ d.zoom können Sie die Schnittkanten
überprüfen. Idealerweise sind keine Schnittkanten mehr zu sehen.
Wie diese einzeln nebeneinander stehenden Rasterdateien zu einer einzigen Datei zusammengefügt werden, steht im Kapitel "`Verschneidung verschiedener Flächen"' in Abschnitt 6.12.
Haben die Karten noch überflüssige Kartenränder, können sie auf einfache Weise ausgeblendet werden. Dazu zoomt man die jeweilige Karte passend mit
$ d.zoom
und korrigiert gegebenenfalls die neuen Koordinaten mit $ g.region um kleine Werte (um auf "`angenehme"' gerundete Koordinaten zu kommen). Zur Speicherung erstellt man eine "`Selbstkopie"', was im übernächsten Abschnitt beschrieben wird.