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Digitalisieren von Flächen

Da eine Flächendigitalisierung erfahrungsgemäß am Anfang ohne Übung etwas problematisch ist, soll hier konkret in Bezug auf das Setzen von Attributen eingegangen werden. Im Digitalisiermodul werden die Vektortypen im Menü "`Digitize"' gewählt.

Mit "`t"'- toggle type können Sie zwischen

selektieren. Für Flächen ist essentiell wichtig, dass sie geschlossen sind. Nur dann können die GIS-Vektortopologie aufgebaut und gesetzte Labelpunkte zugewiesen werden.

Zum vereinfachten Schließen von Flächen gibt es eine Snapping-Funktion, da es quasi unmöglich ist, Linienenden exakt zu treffen:

Figure 19: Die Snapping-Funktion im GIS

In v.digit ist im Hauptmenü die Option "`Customize"', darin wiederum die Option "`s"' - Set snapping threshold. Mit einem geeigneten Wert für "`snapping threshold"' kann erreicht werden, dass beim Digitalisieren von Flächen die Linienenden richtig aufeinander "`gezogen"' (neudeutsch: gesnappt) werden. Nur im Falle eines geschlossenen Linienzuges entsteht eine Vektorfläche, der auch ein Attribut zugewiesen werden kann. Prinzipiell sieht der Vorgang so aus: Es ist eine dem Kartenmaßstab angemessene "`Snap-Distanz"' zu wählen. Da das Snapping unmittelbar beim Digitalisieren erfolgt, sind die Auswirkungen sofort zu sehen. Die Angabe ist in Inch zu treffen, sie wird aber im Menü sofort umgerechnet und in Karteneinheiten (Meter) angegeben. Folgende Snapdistanzen sind sinnvoll (maßstabsabhängig!):

   Bei 1:5.000 - 1:10.000: Snapdistanz 1-2m (Angabe in Inch im Menü: 0.0017 bis 0.002)

   Bei 1:10.000 - 1:25.000: Snapdistanz 2-5m (Angabe in Inch im Menü: 0.002 bis 0.008)

   Bei 1:25.000 - 1:50.000: Snapdistanz 5-10m (Angabe in Inch im Menü: 0.008 bis 0.017)

Erscheint hier keine sinnvolle Distanz (in Meter) im Menü, wurde der Karte vermutlich eingangs beim Aufruf in v.digit kein Maßstab zugewiesen. Beenden Sie in diesem Fall v.digit und rufen es erneut mit dieser Karte auf. Im Definitionsbildschirm kann der Kartenmaßstab entsprechend gesetzt werden.

Folgende Problemfälle treten bei der Digitalisierung häufiger auf:

Wenn die Snapdistanz nicht geeignet gewählt wurde oder die ZOOM-Stufe zu klein war, kann es vorkommen, dass Linien nicht korrekt aneinander anknüpfen. Es wird von "`undershoot"' gesprochen, wenn die Linie zu früh endet, von "`overshoot"', wenn sie zu lang ist (vgl. Abb. 20).

Figure 20: "`Over-"' und "`undershoots"' bei der Vektordigitalisierung

Prinzipiell kann hier über "`Snapping"' eine Vektor-Verknüpfung erreicht werden. "`Snapping"' ist eine Funktion in v.digit (Snapdistanz dort entsprechend des Kartenmaßstabs einstellen) bzw. in v.support. Für das "`over"-shoot"'-Problem gibt es das GRASS-Modul $ v.trim. Es lässt sich beim Digitalisieren durch die Wahl der geeigneten Snapdistanz minimieren.

Ein Hinweis: "`Overshoots"' werden manchmal absichtlich eingesetzt, um Flächengrenzen auf jeden Fall zu schließen. Allerdings müssen sie anschließend korrigiert werden, um keine überstehenden Linienenden zu bekommen. Bei der Digitalisierung am Digitalisierbrett wird häufig ein das Projektgebiet umschließendes Rechteck ("`neatline"') erzeugt. Der Sinn liegt darin, die innenliegenden Flächengrenzen mit gewolltem "`overshoot"' über das Projektgebiet hinaus zu digitalisieren und später automatisiert zu korrigieren. In diesem Falle bildet das Rechteck dann einen Teil der Flächengrenzlinien.

Generell gilt, nach der Benutzung von v.digit (bzw. v.displine) immer $ v.support zu benutzen, um die Topologie der Vektordaten (neu) aufzubauen. Hier können Sie dann auch zu den Attributnummern gehörigen Attributtexte eintragen ("`Edit the category file"'). Haben Sie sehr viele Attributnummern, lassen sich in der letzten Zeile der Eingabemaske die zu editierenden Zeilennummern direkt angeben. Nach Eingabe von "`ESC"'-"`RETURN"' springt v.support zu dieser Zeile.

Nachbearbeitung von digitalisierten Karten:

Da es nicht ganz einfach ist, bei Flächendigitalisierungen immer genau die Linienendpunkte zu treffen (eine Fläche ist ja eine geschlossener Linienzug, also eine Linie, die mit beiden Enden in einem Punkt aneinanderstößt), gibt es ein GRASS-Modul, um diesem Problem entgegenzutreten: $ v.spag

Figure 21: Korrektur von "`Spaghetti-Digitalisierung"'

Eine weitere Eigenschaft des v.spag-Moduls ist, bei Kreuzungen fehlende Knoten einzufügen (gemäß der Digitalisierregeln, vgl. Abb. 21). Jedoch ist dieser Befehl mit äußerster Vorsicht zu benutzen. Am besten sollte vorher eine Kopie der Vektorkarte mit g.copy erzeugen. Bearbeitungen mit v.spag können nicht rückgängig gemacht werden.

Weitere Module sind $ v.clean und $ v.prune. Mit v.clean lassen sich "`tote Linien"' aus einer Vektorkarte entfernen. Dabei sind "`tote Linien"' Vektoren, die in v.digit als gelöscht markiert wurden. Mit dem Modul v.prune können überflüssige Knoten aus Vektorlinien entfernt werden. Das Modul ist mit Vorsicht zu genießen; wenn man zu viele Punkte entfernt, werden komplexe Flächen zu einfachen geometrischen Formen wie Dreiecken oder Rechtecken "`gesäubert"'.


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Markus Neteler 2005-04-14